Monthly Archives: February 2013

Ich bin raus.

Ich bin raus. Erstmal. Es geht ziemlich an die Substanz, ein aktives Mitglied in einem Hackerspace zu sein. Aktiv in dem Sinne, daß man Probleme behebt, wenn sie einem auffallen. Dinge, die getan werden müssen, zu tun. Und dabei kann man sich leicht übernehmen.

Ich erlebe das nicht zum ersten Mal – dieses Gefühl, völlig überfordert zu sein. Bereits 2006 litt ich nach nur 5 Jahren Berufstätigkeit vermutlich unter einem Burn-Out. Genau das erlebe ich gerade wieder, dieselben Gefühle, dieselben Verhaltensmuster. Deshalb: Notabschaltung. Auch wenn das für Außenstehende so wirken könnte, als ob diese Entscheidung spontan und aus dem Bauch heraus getroffen wurde.

Jetzt könnte man natürlich sagen: “Dann mach halt weniger”. Doch so einfach ist das nicht. Vor allem nicht, wenn man in einem Hackerspace aktiv ist. Arbeit ist Arbeit, auch wenn sie in der Freizeit passiert.

Damit man meine Situation verstehen kann, muß man verstehen, an welchen Dingen ich arbeite(te) und warum mir diese wichtig waren. Außerdem ziehe ich Bilanz der verbrachten Stunden, um mir selbst ein Bild darüber zu machen, “wie schlimm es wirklich ist”. Die Zahlen sind nicht dafür gedacht, um mich am Ende hinzustellen und zu sagen: “Ich habe soviel gemacht und ihr zuwenig”. Vielmehr geht es darum, daß ich mir selbst ein Bild von meiner Situation machen kann. Die Gesamtbilanzen sind auch nur auf die letzten 5 Monate bezogen.

Bauteile einlagern

Das RaumZeitLabor bekam im Oktober 2012 eine großzügige Spende an Elektronikbauteilen und Gerätschaften. Die Erfassung der Bauteile in PartKeepr ist in meinen Augen ein wichtiger Schritt, damit man weiß, welche Bauteile man hat und in welchen Mengen. Zahlen sind wichtig: Einen Sortimentskasten mit 18 Fächern zu inventarisieren dauert zwischen einer halben und zwei Stunden, je nachdem, wie einfach man die Datenblätter bekommt. Dazu kommt noch das Vorsortieren und Duplikatsmanagement.

Gesamtbilanz: 40 Stunden

Nebenraum

Im Oktober mieteten wir einen Nebenraum an, in dem insgesamt 3 neue Räume entstehen sollten: Eine Werkstatt, ein Workshop-Raum und ein FabLab. Ich habe die Elektrik und Netzwerk geplant, sowie mit einigen Helfern die Kabelkanäle angebracht sowie Netzwerkkabel gezogen.

Gesamtbilanz Planung: 40 Stunden
Gesamtbilanz Verkabelung: 20 Stunden
Gesamtbilanz sonstige Arbeiten: 20 Stunden

NOC-Team

Wir erhielten im November 2012 einen HP N40L, der zukünftig viele Dienste ersetzen soll. Ich habe mich dort vorrangig um das Monitoring, die Backups sowie das Konfigurationsmanagement gekümmert. Zusätzlich gingen viele Stunden drauf, um diverse Netzwerkprobleme (die bis heute nicht gelöst sind) zu debuggen.

Die Gesamtbilanz kann ich nur schätzen, allerdings ist die Zahl eher zu niedrig als zu hoch.

Gesamtbilanz Mitarbeit NOC-Team: 300 Stunden

Lichtsteuerung

Seit längerem möchte der Raum eine Lichtsteuerung, und die Situation wird mit dem Nebenraum akut: Niemand läuft durch alle Räume und schaut nach, ob dort das Licht noch brennt. Also habe ich eine Lichtsteuerung entworfen, bei der mir DancingFo sehr viel half. Bisher ist die Lichtsteuerung noch nicht fertig, aber zumindest die Kleinverteiler und die Relais sind alle da, auch der Schaltplan ist weit fortgeschritten.

Gesamtbilanz Lichtsteuerung: 40 Stunden

Sonstige Dinge

Ich löse Probleme immer dann, wenn sie auftreten. So ist es z.b. mit Müll wegbringen, 3D-Drucker fixen, Umbau von aktiven, aber lose rumliegenden Platinen in Gehäuse, Spülmaschine ausräumen und so weiter und so fort.

Eine Gesamtbilanz zu ziehen ist hier völlig unmöglich.

Gesamtbilanz der letzten 5 Monate

Ich tippe diese Zeichen und mir wird mulmig – ich habe die Zahlen noch nicht zusammengerechnet. Und ich frage mich gerade, ob ich das wirklich möchte. Aber es hilft nichts, da muß ich durch:

Ingesamt sind das 460 geschätzte Stunden – gefühlt über 1000. In der Schätzung ist nichts, was ich ausschließlich für mich selbst getan habe – die Stunden sind da gar nicht drin, sind aber auch nicht relevant. Beispiel dafür ist der Aufbau meines MendelMax, der in der Rechnung nicht vorhanden ist.

Das sind fast 100 Stunden Arbeit im Monat für alle im RaumZeitLabor und nicht für mich selbst – 25 Stunden Arbeit pro Woche oder auch fast 4 Stunden am Tag. Das ist zuviel.

Daher ist die Entscheidung, die Notbremse zu ziehen, auch mit Zahlen unterlegt und ich fühle mich hoffentlich nicht ganz so schlecht; denn das ist eine der Tücken beim Burn-Out: Man fühlt, daß man nicht genug tut, obwohl man mehr tut, als man müsste.

Bis bald.
Felicitus